Was ist Mikrostrom? Wirkweise, Geschichte und wissenschaftliche Grundlagen
Mikrostrom – der Begriff taucht immer häufiger im Kontext moderner Therapieverfahren auf. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Handelt es sich um eine besondere Form der Elektrotherapie? Oder doch um eine neue Technologie? In diesem Beitrag erfahren Sie, was Mikrostrom ist, wie er wirkt und was wissenschaftliche Studien dazu sagen.
Mikrostrom – eine besondere Form der Elektrotherapie
Die Mikrostromtherapie ist eine spezielle Form der Elektrotherapie, bei der extrem geringe elektrische Ströme im Mikroamperebereich (μA) eingesetzt werden. Der Begriff „Mikro“ stammt aus dem Griechischen (μικρός = klein) und steht für ein Millionstel – konkret bezogen auf die Stromstärke in Ampere.
Zum Vergleich: Während klassische Verfahren wie TENS oder Reizstrom mit 5 bis 30 Milliampere (mA) arbeiten, nutzt die Mikrostromtherapie tausendfach geringere Stromstärken. Und genau diese geringe Stromintensität macht den entscheidenden Unterschied – nicht nur in der Wahrnehmung, sondern auch in der physiologischen Wirkweise.
Physiologische Grundlagen: Wie wirkt Mikrostrom?
Der therapeutische Fokus der Mikrostromtherapie liegt nicht auf der kurzfristigen Schmerzlinderung über das sogenannte „Pain-Gate-Control-System“, sondern auf der Regulation zellulärer Stoffwechselprozesse. Dabei kommen spezielle Rechtecksignale mit einer typischen Periodendauer von 2,5 Sekunden zum Einsatz. Die Polarität kann positiv, negativ oder wechselnd (bipolar) eingestellt werden, und die Signalcharakteristik kann dem Zustand des Gewebes angepasst werden.
Zelluläre Effekte laut Forschung:
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Erhöhung der ATP-Produktion um das 3- bis 5-Fache bei Strömen zwischen 50–1000 µA (Cheng et al., 1982)
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Stimulation der Proteinsynthese sowie Förderung des Aminosäuretransports (ebd.)
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Reduktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-1, IL-6 und TNF-α (McMakin et al., 2005)
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Positive Beeinflussung der Zellmorphologie nachgewiesen in vitro (Schönfelder et al., 2017)
Diese Effekte deuten auf eine tiefergreifende Wirkung hin: Zellen werden durch den Mikrostrom energetisch aktiviert, was zu verbesserten Heilungs-, Entzündungs- und Regenerationsprozessen führen kann.
Die Geschichte der Mikrostromtherapie
Die Ursprünge der Mikrostromtherapie lassen sich – je nach Quelle – bis in die 1940er-Jahre zurückverfolgen. Bereits im Zweiten Weltkrieg wurden galvanische „Feinströme“ zur Wundbehandlung eingesetzt. Ihren Durchbruch in Deutschland feierte die Therapie im Jahr 2000, als bei den Olympischen Spielen in Sydney erstmals ein deutsches Mikrostromgerät (Clinic-Master) erfolgreich in der Sportmedizin eingesetzt wurde.
Seither hat sich die Technologie weiterentwickelt – Geräte wie der Luxxamed HD2000+ ermöglichen heute eine frequenzmodulierte, feinjustierbare Mikrostromtherapie, die auf individuelle Gewebezustände abgestimmt werden kann.
Wissenschaftlich belegte Effekte – Beispiele aus Studien
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien zur Mikrostromtherapie veröffentlicht. Einige zentrale Ergebnisse:
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Chronische Schmerzen: Die randomisierte Studie von Barassi et al. (2020) zeigte eine signifikante Schmerzreduktion sowie eine Verbesserung der Lebensqualität bei Patient:innen mit chronischen Schmerzen nach Anwendung des Luxxamed HD2000+.
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Postoperative Rehabilitation: Rockstroh et al. (2010) belegten, dass Mikrostrom nach Knie-Totalendoprothesen die funktionelle Genesung verbessert und Schmerzen messbar reduziert.
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In-vitro-Evidenz: Schönfelder et al. (2017) zeigten, dass Mikrostrom in vitro nicht nur die Zellmorphologie beeinflusst, sondern auch den Stoffwechsel geschädigter Zellen signifikant verbessern kann (z. B. +56 % bei vorgeschädigten Keratinozyten).
Diese und weitere Arbeiten machen deutlich: Mikrostromtherapie ist keine esoterische Nischenanwendung, sondern basiert auf physiologischen Prinzipien, die wissenschaftlich nachvollziehbar und belegbar sind.
Warum Mikrostrom nur in professionelle Hände gehört
Mikrostromgeräte sind in Deutschland als aktive Medizinprodukte klassifiziert. Ihre Anwendung unterliegt gesetzlichen Vorgaben, insbesondere der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) und der EU-Verordnung 2017/745 (MDR). Deshalb dürfen Mikrostromgeräte ausschließlich von fachlich qualifiziertem Personal wie Ärzt:innen, Heilpraktiker:innen und Physiotherapeut:innen angewendet werden.
Wichtig für Patient:innen: Achten Sie darauf, dass Mikrostrom nur von ausgebildeten, registrierten Fachpersonen angewendet wird – idealerweise mit dokumentierter Erfahrung und zertifizierter Schulung.
Fazit: Mikrostrom – eine präzise, tiefgreifende Therapieform mit belegtem Potenzial
Mikrostrom ist weit mehr als nur „elektrischer Strom in schwacher Dosis“. Die gezielte Anwendung im Mikroamperebereich eröffnet neue Wege in der Behandlung von akuten und chronischen Beschwerden – von Schmerzen über Entzündungen bis hin zu Wundheilung und Zellregeneration.
Damit diese Potenziale sicher und wirksam genutzt werden, gehört Mikrostrom in die Hände qualifizierter Fachpersonen – und genau diese finden Sie im spezialisierten Verzeichnis www.therabook.de.
Literatur (APA-Stil)
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Barassi, G., Younes, A., Di Felice, P. A., Di Iulio, A., Guerri, S., Prosperi, L. et al. (2020). Microcurrents in the treatment of chronic pain: biological, symptomatological and life quality effects. Journal of Biological Regulators and Homeostatic Agents, 34(4). https://doi.org/10.23812/20-166-L
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Cheng, N., van Hoof, H., Bockx, E., Hoogmartens, M. J., Mulier, J. C., Dijcker, F. J. de, et al. (1982). The effects of electric currents on ATP generation, protein synthesis, and membrane transport in rat skin. Clinical Orthopaedics and Related Research, (171), 264–272. https://doi.org/10.1097/00003086-198211000-00045
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McMakin, C. R., Gregory, W. M., & Phillips, T. M. (2005). Cytokine changes with microcurrent treatment of fibromyalgia. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 9(3), 169–176. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2004.12.003
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Rockstroh, G., Schleicher, W., & Krummenauer, F. (2010). Der Nutzen der während einer stationären Anschlussheilbehandlung applizierten Mikrostromtherapie bei Patienten nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese – eine randomisierte, klinische Studie. Rehabilitation, 49(3), 173–179. https://doi.org/10.1055/s-0029-1246152
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Schönfelder, J., Walker, S., & Kenner, L. (2017). Wirkung einer neuen Gerätegeneration auf in vitro-Zellkulturen. AP 3: Wirkung der Mikrostromtherapie auf in vitro-Zellkulturen. Hrsg. v. Fraunhofer FEP.